Ausgangssituation  


1985 wurde vom damals zuständigen Bundesministerium des Innern deutlich gemacht, dass der dauerhaften Dichtheit von Kanälen und Leitungen bei der Abwasserableitung erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse. Die Reinhaltung von Boden und Grundwasser wäre nach Möglichkeit mit technischen und organisatorischen Maßnahmen als auch durch verbesserte Rechtsgrundlagen für den Vollzug zukünftig zu gewährleisten.

Engagement der ATV-DVWK

Auch die ATV-DVWK Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. hat dieses Problem erkannt und weitere Maßnahmen ergriffen.

 

Eine Umfrage der ATV-DVWK bei Städten und Gemeinden hat die Tragweite des Problems der undichten Kanäle deutlich gemacht. Das bedeutet eine nicht bezifferbare Verunreinigung von Grundwasser und Boden durch die Schadstoffe im versickernden Abwasser.

Noch problematischer ist die Exfiltration von gefährlichen Stoffen in Industriegebieten. Andererseits werden durch undichte Kanäle große Mengen von Grundwasser als Fremdwasser unnötigerweise der Kläranlage zugeführt.

Dies war 1986 für den ehemaligen Präsidenten der ATV, Prof. Dr.-lng. E. h. K. R. Imhoff, Anlass zu einem Schreiben an den damaligen Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und an die Vorsitzenden der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser -LAWA- sowie der Arbeitsgemeinschaft der für das Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen zuständigen Minister der Länder (ARGEBAU). Grundaussage war, dass „Abwasserkanäle und -leitungen dicht sind, wenn sie nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik gebaut und geprüft werden. Sie können undicht werden, wenn sie nicht bestimmungsgemäß benutzt werden.“

Maßnahmenkatalog

Um erkennbare Defizite beim Kanalbau zu bewältigen, wurden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

- Schaffung des „Geprüften Kanalrohrlegers“ und Qualifizierung geeigneter Betriebe
bauaufsichtliche Einführung von DIN 1986, Teil 3 - Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Regeln für Betrieb und Wartung
- bessere Überwachung und Abnahmeprüfung für Neuanlagen und Änderungsmaßnahmen an bestehenden Einrichtungen der Grundstücksentwässerung einschl. von Dichtheitsprüfungen an Grundleitungen
- Bereitstellung von Mitteln für die Erfassung und Bewertung des Bestandes an Abwasserkanälen und -leitungen
- Schaffung und Dotierung eines Forschungsschwerpunktes „Sanierung von Abwasserkanälen und -leitungen“

Alle dargelegten Erfordernisse sind inzwischen in Angriff genommen bzw. verwirklicht worden.

Kosten

Eine Erhebung der ATV-DVWK (April 1998) beziffert den Anteil schadhafter Kanäle an der Gesamtlänge öffentlicher Kanäle in der Bundesrepublik Deutschland mit ca. 16 %. Die derzeitigen jährlichen Investitionen müssten im Hinblick auf das hochgerechnete erforderliche Gesamtvolumen von 61 Mrd. DM verdoppelt werden, um das Problem der undichten Kanäle lösen zu können. Noch mehr muss auf privatem Grund erneuert und saniert werden, wo von rd. 600.000 Rohr-km vermutlich 40 - 60 % defekt sind.
Schlimmer sieht es noch in den fünf neuen Bundesländern aus. Dort stehen die Länder vor dem wassertechnischen Notstand. Es versickert aber nicht nur Abwasser, sondern auch ein erheblicher Teil des ohnehin knappen Trinkwassers geht verloren. Um das Ver- und Entsorgungssystem zwischen Elbe und Oder in Ordnung zu bringen, müssen nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts noch einmal rd. 150 Mrd. DM investiert werden.

Berufsausbildung

Die Bauwirtschaft-Ausbildungs-Verordnung (BauAusbV) enthält eindeutige Anforderungen für den Ausbildungsberuf „Kanalbauer“, die mit den Vorstellungen der ATV-DVWK übereinstimmen; dies gilt auch für den Rohrleitungsbauer, der bei der Herstellung von Entwässerungskanälen und -leitungen unter bestimmten Bedingungen ebenfalls eingesetzt werden kann.
Das beste Anforderungsprofil für qualifizierte Mitarbeiter führt aber dann nicht zur technisch einwandfreien Ausführung von Baumaßnahmen, wenn die Auftragnehmer diese Mitarbeiter nicht einsetzen.
Die ATV-DVWK hat deshalb ein weitergehendes Konzept entwickelt, womit die für die Ausführung der betreffenden Baumaßnahmen geeigneten Betriebe festgestellt und bezeichnet werden können. Vorstand und Präsidium der ATV-DVWK Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. haben deshalb beschlossen, selbst zur Bewältigung der Problematik „Undichte Kanäle“ beizutragen.